Veröffentlicht am März 11, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung liegt die grösste Gefahr des „Sharenting“ nicht im einzelnen geteilten Foto, sondern in der unkontrollierten digitalen Spur, die es hinterlässt. Der wirkliche Schutz für Ihre Kinder besteht nicht im vollständigen Verzicht, sondern im Aufbau einer bewussten Datenhygiene und der aktiven Verwaltung Ihres digitalen Nachlasses. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen die technischen und strategischen Schritte, um die digitale Souveränität über die Daten Ihrer Familie zurückzugewinnen.

Ein Klick, ein Lächeln, ein geteilter Moment – es fühlt sich gut an, die Freuden des Familienlebens mit Freunden und Verwandten zu teilen. In einer vernetzten Welt sind soziale Medien zum digitalen Fotoalbum geworden, und der Stolz auf die eigenen Kinder lässt sich kaum verbergen. Die soziale Bestätigung durch Likes und Kommentare verstärkt dieses Gefühl und führt zu einer Dopamin-Ausschüttung, die uns dazu anregt, mehr zu teilen. Laut einer Studie haben daher auch bereits 41% der Eltern mindestens einmal Fotos ihrer Kinder in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Die gängigen Warnungen sind bekannt: keine Nacktfotos, keine Ortsangaben, Profile auf „privat“ stellen. Doch diese Ratschläge kratzen nur an der Oberfläche eines viel tieferen Problems. Sie behandeln Symptome, nicht die Ursache. Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Frage, *ob* man ein Foto postet, sondern darin, die Kontrolle über die daraus entstehende Datenspur zu behalten und die langfristigen Konsequenzen zu verstehen. Es geht um einen Paradigmenwechsel: weg von der moralischen Debatte über das Posten, hin zur technischen Kompetenz im Umgang mit dem eigenen digitalen Fussabdruck.

Wenn wir das Problem nicht als moralisches Versagen, sondern als Aufgabe der strategischen Datenverwaltung betrachten, eröffnen sich völlig neue Lösungswege. Es geht darum, Ihre digitale Souveränität zu stärken und eine proaktive Schutzmauer um die Privatsphäre Ihrer Familie zu errichten. Das bedeutet, die Mechanismen der Plattformen zu verstehen, die eigenen Rechte zu kennen und vorausschauend für die Zukunft zu planen – bis hin zum digitalen Nachlass.

Dieser Artikel ist Ihr medienpädagogischer Leitfaden. Er wird Sie nicht verurteilen, sondern befähigen. Statt einfacher Verbote erhalten Sie konkrete, technische und rechtliche Werkzeuge, um die digitale Identität Ihrer Kinder wirksam zu schützen und die Kontrolle zurückzugewinnen. Wir werden uns ansehen, wie Sie Ihre Profile wasserdicht machen, welche Kommunikationswege wirklich sicher sind und wie Sie sogar für den Ernstfall vorsorgen.

Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Leitfaden, um die Kontrolle über die digitalen Spuren Ihrer Familie zu erlangen und zu behalten. Hier ist ein Überblick über die Themen, die wir behandeln werden.

Warum fühlen wir uns gut, wenn wir private Momente öffentlich teilen?

Das Bedürfnis, besondere Momente im Leben unserer Kinder festzuhalten und zu teilen, ist tief menschlich. Es ist ein Ausdruck von Stolz, Liebe und dem Wunsch nach sozialer Verbundenheit. Soziale Netzwerke haben dieses Bedürfnis instrumentalisiert und ein System geschaffen, das uns für das Teilen belohnt. Jeder Like, jeder positive Kommentar löst in unserem Gehirn eine kleine Ausschüttung des Glückshormons Dopamin aus. Dieser Mechanismus schafft einen Kreislauf der positiven Verstärkung, der uns motiviert, immer wieder neue Inhalte zu posten, um diese soziale Bestätigung zu erhalten.

Diese psychologische Komponente erklärt, warum rationale Warnungen oft ins Leere laufen. Wir handeln nicht nur aus logischer Überlegung, sondern auch aus einem emotionalen Antrieb heraus. Das Problem ist, dass diese kurzfristige Befriedigung die langfristigen Risiken in den Schatten stellt. Eine erschreckende Zahl zeigt das Dilemma: Während sehr viele Eltern Bilder teilen, haben laut Studien 33% der Eltern ihre Kinder nie um Erlaubnis gefragt, bevor sie ein Foto posten. Dies offenbart eine kritische Lücke im Bewusstsein für das Recht des Kindes am eigenen Bild und die Notwendigkeit, frühzeitig einen Dialog über digitale Einwilligung zu führen.

Die schiere Menge an Daten ist dabei gewaltig. Schätzungen zufolge veröffentlichen Eltern im Durchschnitt rund 1.300 Fotos ihrer Kinder online, bevor diese das 13. Lebensjahr erreichen. Jeder dieser Posts ist ein Datenpunkt, der gesammelt, analysiert und potenziell missbraucht werden kann – von der Erstellung von Werbeprofilen bis hin zur Verwendung durch Kriminelle. Das Wohlgefühl des Moments schafft so einen digitalen Fussabdruck, dessen Kontrolle wir leicht verlieren.

Der erste Schritt zur Besserung ist daher, dieses Belohnungssystem zu erkennen und bewusst zu entscheiden, wann das Teilen wirklich dem sozialen Austausch dient und wann es nur der Jagd nach dem nächsten Dopamin-Kick entspringt.

Wie machen Sie Ihr Profil „wasserdicht“ gegen Stalker und Datensammler?

Ein privates Profil ist die erste Verteidigungslinie, aber bei Weitem nicht die einzige. Um Ihr Profil wirklich abzusichern, müssen Sie tiefer in die Einstellungen eintauchen und die Werkzeuge nutzen, die Ihnen das Gesetz an die Hand gibt. Es geht darum, eine proaktive Datenhygiene zu etablieren und die Informations-Asymmetrie zwischen Ihnen und den Plattformen zu verringern. Sie haben das Recht zu wissen, was Unternehmen über Sie speichern.

Sicherung von Social-Media-Profilen gegen Datenmissbrauch

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist hier Ihr mächtigster Verbündeter. Gemäss Artikel 15 DSGVO können Sie von jeder Plattform eine vollständige Auskunft über die von Ihnen gespeicherten Daten verlangen. Dies dient nicht nur der Transparenz, sondern zwingt Sie auch, sich aktiv mit den Datensammeleinstellungen auseinanderzusetzen. So fordern Sie Ihre Daten bei Meta (Facebook/Instagram) an:

  1. Gehen Sie in den Bereich „Einstellungen und Privatsphäre“, klicken Sie auf „Einstellungen“ und dann auf „Kontenübersicht“.
  2. Wählen Sie den Menüpunkt „Deine Informationen und Berechtigungen“.
  3. Klicken Sie auf „Deine Informationen herunterladen“.
  4. Wählen Sie die Option „Informationen herunterladen oder übertragen“ und spezifizieren Sie den gewünschten Datenumfang und Zeitraum.
  5. Die Plattform ist gesetzlich verpflichtet, Ihnen diese Informationen innerhalb eines Monats zur Verfügung zu stellen.

Dieser Prozess ist mehr als nur eine technische Übung. Er ist ein Akt der digitalen Souveränität. Indem Sie Ihre Rechte aktiv einfordern, signalisieren Sie den Plattformen nicht nur, dass Sie sich Ihrer Daten bewusst sind, sondern erhalten auch einen unschätzbaren Einblick, welche Informationen über Sie und Ihre Familie im Umlauf sind.

Nutzen Sie die heruntergeladenen Informationen, um alte, unnötige Posts, Markierungen und Berechtigungen von Drittanbieter-Apps zu entfernen. Machen Sie es sich zur Routine, diese Datenschutzeinstellungen mindestens einmal im Quartal zu überprüfen und anzupassen.

WhatsApp oder Signal: Welcher Messenger schützt Ihre Familienfotos wirklich?

Die Kommunikation innerhalb der Familie, insbesondere der Austausch von Fotos, findet oft in Messengern statt. Doch nicht jeder Dienst bietet den gleichen Schutz. Während die meisten eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versprechen, liegen die entscheidenden Unterschiede im Detail – nämlich bei der Sammlung von Metadaten und dem Geschäftsmodell des Anbieters. Metadaten verraten zwar nicht den Inhalt Ihrer Nachrichten, aber wer wann mit wem wie lange kommuniziert hat. Für ein umfassendes Schutzkonzept ist die Wahl des richtigen Messengers daher ein zentraler Baustein.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Unterschiede zwischen populären Messengern und hilft Ihnen, eine informierte Entscheidung für Ihre Familie zu treffen. Wie eine Analyse von SCHAU HIN! zeigt, fühlen sich Eltern oft überfordert, doch die Wahl des richtigen Werkzeugs ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt.

Vergleich der Messenger-Dienste für Familienkommunikation
Messenger Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Metadaten-Sammlung Serverstandort Kosten
WhatsApp Ja Umfangreich (Meta) International Kostenlos
Signal Ja Minimal USA Kostenlos
Threema Ja Keine Schweiz Einmalig 4,99€

Wie die Tabelle zeigt, ist WhatsApp, obwohl weit verbreitet, aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Meta-Konzern und der umfangreichen Metadaten-Sammlung problematisch. Signal gilt als sehr sicher, da es kaum Metadaten sammelt. Threema geht noch einen Schritt weiter: Der Dienst aus der Schweiz verzichtet vollständig auf die Sammlung von Metadaten und erfordert keine Telefonnummer zur Anmeldung, was ein Höchstmass an Anonymität bietet. Der Umstieg ist oft einfacher als gedacht.

Fallbeispiel: Erfolgreiche Migration einer Familie

Eine deutsche Familie mit Mitgliedern über drei Generationen hinweg stand vor der Herausforderung, den Austausch von Kinderfotos sicherer zu gestalten. Sie entschieden sich für den Umstieg von WhatsApp zu Threema. Der Schlüssel zum Erfolg war eine schrittweise Einführung: Zuerst wurde eine Kerngruppe aus den Eltern und einem technikaffinen Onkel gebildet. Diese halfen dann den Grosseltern persönlich bei der Installation und Einrichtung. Das Hauptargument war nicht nur die Sicherheit der Kinderfotos, sondern auch der strenge Schweizer Datenschutz, der als Qualitätsmerkmal wahrgenommen wurde. Innerhalb von zwei Wochen war die gesamte Familie erfolgreich migriert.

Die Investition in eine datenschutzfreundliche App wie Threema oder der koordinierte Umstieg auf Signal ist ein klares Bekenntnis zum Schutz der Privatsphäre Ihrer gesamten Familie.

Der Fehler im Urlaubspost, der Einbrechern verrät, dass Ihre Wohnung leer steht

Die Freude auf den Urlaub ist gross und der Drang, das erste Foto vom Strand oder dem Hotelpool zu posten, ist verständlich. Doch genau hier lauert eine oft unterschätzte, sehr reale Gefahr. Ein öffentlicher Post mit dem Inhalt „Endlich im Urlaub!“ ist für Kriminelle wie eine Einladung. Sie scannen soziale Netzwerke gezielt nach solchen Informationen, um festzustellen, welche Wohnungen und Häuser unbewacht sind. Die Gefahr ist nicht theoretisch, wie die Polizeiliche Kriminalstatistik eindrücklich belegt: Wohnungseinbrüche häufen sich besonders während der typischen Ferienzeiten.

Gefahr von Urlaubsposts für die Heimsicherheit

Das Problem ist die Verknüpfung von Informationen. Ihr Profil verrät oft Ihren Namen und Wohnort. Der Urlaubspost liefert den genauen Zeitraum Ihrer Abwesenheit. Selbst wenn Ihr Profil auf „privat“ gestellt ist, können „Freunde von Freunden“ oder kompromittierte Konten in Ihrer Liste diese Information weitergeben. Die sicherste Regel lautet daher: Posten Sie Urlaubsfotos erst nach Ihrer Rückkehr. Erzählen Sie Ihre Urlaubsgeschichte rückblickend, nicht in Echtzeit. So können Sie Ihre Erlebnisse teilen, ohne Ihre Sicherheit zu gefährden.

Experten warnen seit Langem vor dieser Sorglosigkeit, die Einbrechern die Arbeit erleichtert. Es braucht ein Umdenken in der Gesellschaft, um die Verbindung zwischen digitalem Verhalten und physischer Sicherheit zu verstehen.

Um den Aufwärtstrend zu stoppen, muss mehr in Einbruchschutz investiert werden.

– Jörg Asmussen, GDV-Hauptgeschäftsführer

Diese Investition beginnt nicht erst bei der Alarmanlage, sondern bei der digitalen Vorsicht. Deaktivieren Sie zudem die GPS-Standortdaten (Geotagging) in Ihrer Kamera-App, damit die Metadaten Ihrer Fotos nicht den exakten Aufnahmeort verraten.

Indem Sie bewusst entscheiden, welche Informationen Sie wann teilen, errichten Sie eine einfache, aber extrem wirkungsvolle Barriere gegen Kriminelle, die das Netz nach potenziellen Opfern durchsuchen.

Problemfall Todesfall: Wie regeln Sie Ihren digitalen Nachlass, bevor es zu spät ist?

Es ist ein Thema, das wir gerne verdrängen, doch für einen lückenlosen Schutz der Familiendaten ist es unerlässlich: der digitale Nachlass. Was passiert mit all den Online-Konten, den Cloud-Speichern voller Fotos und den Social-Media-Profilen, wenn Ihnen etwas zustösst? Ohne eine klare Regelung hinterlassen Sie Ihren Angehörigen nicht nur Trauer, sondern auch ein digitales Chaos und potenziell ungesicherte Daten Ihrer Kinder. Die proaktive Verwaltung des digitalen Nachlasses ist der letzte, aber vielleicht wichtigste Baustein der Datenhygiene.

Lange Zeit herrschte Rechtsunsicherheit, doch ein wegweisendes Urteil des Bundesgerichtshofs hat für Klarheit gesorgt. Dieses Urteil ist die Grundlage für alle weiteren Überlegungen zur digitalen Vorsorge.

BGH-Urteil III ZR 183/17: Der digitale Nachlass ist vererbbar

Im Jahr 2018 entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im Fall einer verstorbenen 15-Jährigen, dass Erben das Recht haben, auf das Facebook-Konto des Verstorbenen zuzugreifen. Die Richter argumentierten, dass digitale Inhalte wie persönliche Briefe oder Tagebücher zu behandeln sind und somit Teil des Erbes werden. Facebook wurde verpflichtet, den Eltern den vollen Zugang zum Konto ihrer Tochter zu gewähren. Dieses Urteil schafft eine wichtige Rechtsgrundlage in Deutschland und bestätigt, dass digitale Konten Teil der Erbmasse sind. Es unterstreicht die Notwendigkeit, den Zugang für Erben im Voraus zu regeln.

Obwohl das Recht auf Ihrer Seite ist, können die praktischen Hürden für Ihre Erben enorm sein. Fehlende Passwörter und unbekannte Konten machen den Zugriff oft unmöglich. Deshalb ist eine digitale Vorsorgemappe unerlässlich.

Ihr Notfallplan für den digitalen Nachlass: Eine Checkliste

  1. Konten inventarisieren: Erstellen Sie eine vollständige, verschlüsselte Liste all Ihrer Online-Konten (Soziale Medien, E-Mail, Clouds, Shops) inklusive der Benutzernamen.
  2. Zugangsdaten sichern: Hinterlegen Sie die Passwörter an einem sicheren Ort. Ideal sind ein digitaler Passwort-Tresor mit Master-Passwort oder ein versiegelter Umschlag bei einem Notar. Geben Sie niemals Passwörter direkt in der Liste an.
  3. Nachlassverwalter bestimmen: Benennen Sie in Ihrer Vorsorgevollmacht oder einem Testament eine Person Ihres Vertrauens als digitalen Nachlassverwalter und geben Sie ihr die Befugnis, in Ihrem Namen zu handeln.
  4. Plattform-Tools nutzen: Aktivieren Sie die Vorsorge-Funktionen der Anbieter. Beispiele sind der „Konto-Inaktivität-Manager“ von Google oder die Festlegung eines „Nachlasskontakts“ bei Facebook, der das Profil in den Gedenkzustand versetzen oder löschen kann.
  5. Handlungsanweisungen hinterlegen: Legen Sie schriftlich fest, was mit den einzelnen Konten und den darin enthaltenen Daten (insbesondere den Kinderfotos) geschehen soll. Sollen sie gelöscht, archiviert oder in einen Gedenkzustand versetzt werden?

Eine gut vorbereitete digitale Vorsorge ist ein Akt der Liebe und Verantwortung, der Ihren Angehörigen in einer schweren Zeit eine grosse Last abnimmt und die digitale Zukunft Ihrer Kinder sichert.

Warum taucht Ihr Name immer noch in alten Suchergebnissen auf und wie ändern Sie das?

Sie haben alte Profile gelöscht und peinliche Fotos entfernt, doch eine Google-Suche nach Ihrem Namen fördert immer noch unliebsame Ergebnisse zutage. Dieses Phänomen ist frustrierend und liegt am Zwischenspeicher (Cache) von Suchmaschinen. Google, Bing und andere Dienste erstellen Kopien von Webseiten, um Suchanfragen schneller zu bearbeiten. Selbst wenn die Originalinhalte längst gelöscht sind, kann die Kopie im Cache noch wochen- oder monatelang sichtbar bleiben.

Hier kommt das „Recht auf Vergessenwerden“ ins Spiel, das in der DSGVO verankert ist. Es gibt Ihnen das Recht, die Entfernung von Suchergebnissen zu beantragen, die veraltet, irrelevant oder unangemessen sind und Ihre Privatsphäre verletzen. Google und andere Suchmaschinenbetreiber stellen dafür spezielle Online-Formulare zur Verfügung. In diesem Antrag müssen Sie die genaue URL des Suchergebnisses angeben und begründen, warum es Ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Die Suchmaschine muss dann zwischen Ihrem Recht auf Privatsphäre und dem öffentlichen Interesse an der Information abwägen.

Der Prozess ist nicht immer einfach und erfordert Geduld. Nach Einreichung des Antrags hat der Betreiber in der Regel einen Monat Zeit, um zu reagieren. Wird der Antrag abgelehnt, können Sie sich an die zuständige Datenschutzbehörde wenden. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieser Prozess nur das Suchergebnis entfernt, nicht die ursprüngliche Webseite. Wenn der Inhalt selbst noch online ist, müssen Sie sich direkt an den Betreiber der Webseite wenden und um Löschung bitten.

Seien Sie sich des „Streisand-Effekts“ bewusst: Ein ungeschickter oder aggressiver Löschversuch kann unbeabsichtigt erst recht die Aufmerksamkeit auf die unerwünschten Inhalte lenken. Ein sachliches und gut begründetes Vorgehen ist daher entscheidend.

Wie montieren Sie Aussenkameras, ohne den Gehweg oder den Nachbarn zu filmen?

Der Wunsch nach Sicherheit für das eigene Zuhause ist nachvollziehbar, und Überwachungskameras scheinen eine einfache Lösung zu sein. Doch die Installation von Aussenkameras ist in Deutschland streng reglementiert. Der Schutz der Privatsphäre von Nachbarn und Passanten hat einen hohen Stellenwert. Eine unsachgemässe Installation kann nicht nur zu Nachbarschaftsstreit, sondern auch zu empfindlichen Bussgeldern führen, da sie schnell die Rechte Dritter verletzt.

Die Kernregel lautet: Sie dürfen grundsätzlich nur Ihr eigenes, privat befriedetes Besitztum filmen. Öffentliche Bereiche wie Gehwege, die Strasse oder das Nachbargrundstück sind absolut tabu. Auch wenn nur ein kleiner Teil des Gehwegs erfasst wird, stellt dies bereits einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Passanten dar. Die Dokumentation eines berechtigten Interesses nach Art. 6 Abs. 1 f) DSGVO, beispielsweise nach vergangenen Einbrüchen, ist zwar Voraussetzung, entbindet aber nicht von der Pflicht, die Rechte anderer zu wahren.

Um eine DSGVO-konforme Installation sicherzustellen, müssen Sie mehrere Punkte beachten:

  • Exakte Ausrichtung: Richten Sie die Kamera so aus, dass sie ausschliesslich die Grenzen Ihres eigenen Grundstücks erfasst. Das kann bedeuten, den Winkel präzise einzustellen oder den Montageort sorgfältig zu wählen.
  • Privatzonen nutzen: Moderne Kameras bieten oft eine „Privatzonen-Schwärzungsfunktion“. Nutzen Sie diese, um öffentliche oder nachbarschaftliche Bereiche im Bild digital und dauerhaft zu schwärzen.
  • Hinweispflicht erfüllen: Sie sind verpflichtet, auf die Videoüberwachung hinzuweisen. Bringen Sie ein gut sichtbares Schild am Rande Ihres Grundstücks an, das über den Umstand der Überwachung, den Verantwortlichen und den Zweck informiert.
  • Speicherdauer begrenzen: Die Aufnahmen dürfen nur so lange gespeichert werden, wie es für den Zweck unbedingt erforderlich ist – in der Regel nicht länger als 72 Stunden, sofern kein konkreter Vorfall die längere Aufbewahrung rechtfertigt.

Bevor Sie eine Kamera installieren, prüfen Sie die lokalen Vorschriften und ziehen Sie im Zweifelsfall eine rechtliche Beratung in Betracht. So schützen Sie Ihr Eigentum, ohne die Rechte anderer zu verletzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sharenting-Risiken gehen weit über das einzelne Foto hinaus; es geht um die Kontrolle über die gesamte digitale Datenspur.
  • Wahrer Schutz entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch aktive Datenhygiene und die Nutzung technischer sowie rechtlicher Werkzeuge (DSGVO, digitale Vorsorge).
  • Die Verantwortung für die digitalen Daten der Familie ist eine strategische Aufgabe, die von der Messenger-Wahl bis zur Regelung des digitalen Nachlasses reicht.

Wie sichern Sie Ihre geschäftlichen Daten so ab, dass ein Hackerangriff Sie nicht ruiniert?

Die Prinzipien der Datenhygiene, die wir im Kontext von Familienfotos besprochen haben, sind im geschäftlichen Umfeld nicht nur eine Empfehlung, sondern überlebenswichtig. Viele Eltern sind auch Selbstständige oder Kleinunternehmer. Oft vermischen sich private und geschäftliche Geräte, was ein enormes Risiko darstellt. Ein ungesichertes privates Notebook, auf dem auch Kundendaten gespeichert sind, kann bei einem Hackerangriff den gesamten Betrieb lahmlegen und zu empfindlichen Strafen führen.

Sicherung geschäftlicher Daten vor Cyberangriffen

Die Datenschutz-Grundverordnung ist hier unerbittlich. Bei einer Datenpanne, also dem Verlust, Diebstahl oder unbefugten Zugriff auf personenbezogene Daten, tickt die Uhr. Gemäss DSGVO haben Sie eine strikte Meldepflicht von nur 72 Stunden an die zuständige Landesdatenschutzbehörde. Wer diese Frist versäumt oder keine ausreichenden Schutzmassnahmen nachweisen kann, riskiert hohe Bussgelder, die existenzbedrohend sein können.

Die wichtigste Schutzmassnahme ist eine robuste und regelmässig getestete Backup-Strategie. Verlassen Sie sich nicht auf eine einzige Sicherung. Die 3-2-1-Regel ist hier der Goldstandard: Halten Sie mindestens drei Kopien Ihrer Daten vor, auf zwei unterschiedlichen Medientypen (z.B. externe Festplatte und Cloud), wobei eine Kopie an einem externen, sicheren Ort (offline) aufbewahrt wird. Dieses „Offsite-Backup“ ist Ihre letzte Verteidigungslinie gegen Ransomware, die oft versucht, auch vernetzte Backups zu verschlüsseln.

Denken Sie daran: Datenverantwortung ist unteilbar. Die gleichen Prinzipien der Sorgfalt, die Sie zum Schutz der Fotos Ihrer Kinder anwenden, müssen auch für die Daten Ihrer Kunden gelten. Die Trennung von privaten und geschäftlichen Systemen, regelmässige Software-Updates, starke Passwörter und die Schulung im Erkennen von Phishing-Mails sind weitere essenzielle Bausteine Ihrer digitalen Festung.

Um Ihre Existenzgrundlage zu sichern, ist es entscheidend, Ihre Backup-Strategie und Datensicherheit als oberste Priorität zu behandeln.

Übernehmen Sie jetzt die Kontrolle und implementieren Sie eine professionelle Backup-Routine. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre digitale Welt – privat wie geschäftlich – zu ordnen und zu schützen. Es ist die beste Versicherung gegen eine digitale Katastrophe.

Häufig gestellte Fragen zum Schutz der Privatsphäre im Netz

Wann greift das Recht auf Vergessenwerden nicht?

Das Recht auf Vergessenwerden hat Grenzen, insbesondere wenn das öffentliche Informationsinteresse überwiegt. Dies ist oft bei Presseartikeln etablierter Medien der Fall, da hier die Pressefreiheit nach Art. 5 des Grundgesetzes (GG) einen hohen Stellenwert hat. Eine Löschung ist hier nur in Ausnahmefällen möglich.

Was ist der Streisand-Effekt?

Der Streisand-Effekt beschreibt das Phänomen, dass der Versuch, eine Information zu unterdrücken oder zu löschen, unbeabsichtigt dazu führt, dass sie eine noch viel grössere öffentliche Aufmerksamkeit und Verbreitung erfährt. Aus diesem Grund sollten Löschanträge immer sachlich und gezielt gestellt werden, um keine Gegenreaktion zu provozieren.

Wie lange dauert die Bearbeitung eines Löschantrags bei Google?

Gemäss der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) müssen Suchmaschinenbetreiber wie Google Anträge auf Löschung von Suchergebnissen „unverzüglich“, in der Regel aber spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags, bearbeiten. Diese Frist kann in komplexen Fällen um weitere zwei Monate verlängert werden.

Geschrieben von Tobias Müller, Zertifizierter IT-Sicherheitsberater (CISSP) und Systemadministrator aus Frankfurt am Main. Seit 14 Jahren unterstützt er Privathaushalte und KMUs bei der Absicherung ihrer digitalen Infrastruktur und der Integration von Smart-Home-Lösungen.